Anleitung zum Unsympathischsein

Ich habe diese Idee von der „Anleitung zum Unsympathischsein“ vom 1983 erschienenen Standardwerk von Paul Watzlawick: „Anleitung zum Unglücklichsein“ geklaut. Man möge mir verzeihen – jedoch finde ich, dass ein perspektivischer Wechsel fruchtbar für das Verständnis von Sympathie sein kann. Also fortan – zäumen wir das Pferd von hinten auf, aber Vorsicht: Es ist nicht alles so ernst gemeint, wie geschrieben. Man habe Nachsicht mit mir. Ebenfalls erbitte ich um Nachsicht, da diese Liste selbstverständlich nicht vollständig ist, wahrscheinlich gar nicht sein kann. Viel Spaß beim Lesen.
Reden ist Gold – Schweigen ist Blech
Ich kann mich noch an das Jahr 2011 erinnern. Unser geliebtes Haus wurde fertiggestellt und meine Frau und ich waren stolz wie Oskar. Wir fühlten uns so richtig pudelwohl. Der Zufall wollte es, dass Verwandte uns besuchten, kurz nach Fertigstellung des Hauses. Der Freund meiner Tante fühlte sich bemüßigt, zu jedem Einrichtungsgegenstand seinen Kommentar abzugeben. Dies ging in etwa so: Also die Stiege hätte ich ganz anders gemacht, die Fliesen gefallen mir gar nicht und die Eingangstür ist viel zu klein, blablabla“. Ehrlich währt am längsten, so heißt es. In diesem Fall jedoch nicht.
Nicht falsch verstehen – ich kann mit Kritik umgehen. Nur brauche ich keine Antworten auf Fragen, die ich gar nicht gestellt habe. Ein sicheres Mittel, Distanz zwischen Dir und dein Gegenüber zu bringen, ist deine Meinung kund zu tun, wann immer es auch geht. Und dies möglichst unverblümt. Rede, wie dir der Schnabel gewachsen ist und nimm keine Rücksicht auf die Gefühle deines Gegenübers. Wo käme man da überhaupt hin?!?


Klugscheißen bis zum Anschlag
Kennst du auch Leute, die die ganze Zeit ihre Umwelt beratschlagen müssen? Die dauernd ihr Wissen darstellen müssen, egal, um welchen Preis? An der Universität liebte ich solche Personen. Sie stellten eine Frage, welche sie sich im Zuge ihrer Fragestellung selbst beantworteten, nur um Ihre Klugheit zu demonstrieren. Man redet, um zu reden und sich und sein Wissen effektvoll zur Schau zu stellen. Die Professoren konnten dann nur mehr nicken oder den Kopf schütteln.
Eine interessante Angewohnheit ist es, überall seinen Senf dazuzugeben – wie man dies oder jenes wesentlich verbessern könnte. Wieder – ungefragt und deshalb nervig. Das Gegenteil von „gut“ ist nun mal nicht „schlecht“, sondern „gut gemeint“.
Meine Geschäftspartner von der Tres Hombres Austria und ich lachen noch hin und wieder über den Ratschlag einer Kundin, bei Präsentationen doch Papageien auf unseren Schultern zu justieren…
Prahlen was das Zeug hält
Mein Haus, mein Auto, mein Boot – viele werden diese berühmte Sparkassen-Werbung noch kennen. Ein sicherer Weg, sich den Weg zum Herzen des Gegenübers zu verbauen ist, sich wichtiger zu nehmen als alle anderen. Man soll so viel wie möglich über sich und seine Errungenschaften sprechen. Ein wenig Übertreiben ist natürlich auch nicht verkehrt. So schürt man den Neid des Gegenübers und das ist eine tolle Ausgangssituation für Unbeliebtheit. Noch besser wäre es, wenn der Gesprächspartner Ihre Ausführungen nicht glaubt, dann reagiert der Argwohn und jegliches Vertrauen kann sofort im Keim erstickt werden. Eine tolle Strategie, sich Menschen vom Hals zu halten 😉

Nur an sich selbst denken
In meinem Philosophie-Studium habe ich gelernt, dass wir alle Egoisten sind. So etwas wie altruistisches Handeln gibt es gar nicht. Wie ist das gemeint? Es gibt doch Menschen, die andere Menschen unterstützen, ihnen helfend zur Hand gehen, Spenden auftreiben, usw. Oder man spricht überhaupt von Philanthropie – allgemeine Menschenliebe. Menschen, die ihr Leben dafür opfern, anderen zu helfen. Dies würden sie jedoch nicht machen, wenn es ihnen dabei nicht gutgehen würde. Unter diesem Aspekt ist jeder in gewisser Art und Weise Egoist.
Der Unterschied zu einem wirklichen Egoisten, der ausschließlich sein eigenes Wohl – auch auf Kosten anderer stellt – ist, dass im ersten Fall eine Win-Win-Situation entstehen kann. Als purer Egoist wird das wohl kaum möglich sein. Deshalb mein Tipp: Stelle IMMER dein Eigenwohl an oberste Stelle und nimm keine Rücksicht auf das Wohl der anderen. Die stehen dir doch nur im Wege bei deiner Zielerreichung. Kooperation ist für Schwächlinge, die selbst nichts auf die Reihe bekommen.
Sich lustig machen über andere
Humor ist etwas äußerst Wichtiges im Leben. Über Dinge oder Situationen zu lachen, kann einem den Tag versüßen. Vor allem, wenn Humor in Gesellschaft ausgelebt wird. Was man so oft wie möglich machen sollte, um unsympathisch zu wirken, ist sich über andere lustig zu machen. Wenn jemandem ein Missgeschick passiert, sollte man mit dem Finger draufzeigen und den anderen veräppeln. So laut und so oft, wie es geht. Dadurch wird der andere in seinem sozialen Status nach unten gedrückt und gedemütigt. Mit diesem Vorgehen schafft man sich sehr elegant Feinde fürs Leben.
Gelebter Zynismus ist auch eine Strategie, die du täglich anwenden solltest. Zynische Menschen bauen sukzessive Kommunikationsbarrieren auf, da sie ihrer Umgebung sehr eindeutig zu verstehen geben, dass sie nicht ernst zu nehmen ist. Kein Argument der Welt ist so gut, als dass man sich nicht darüber lustig machen könnte.

Sei der Fells in der Brandung
Gib niemals, unter keinen Umständen Schwächen oder Emotionen Preis. Sag nie, wie du dich wirklich fühlst und kehre immer deine starke Seite in den Vordergrund. Erzähle stets von deinen Erfolgen. Selbstverständlich kannst du auch ein wenig übertreiben, wenn du glaubst, dass es angemessen ist. Über Stärke und Unnahbarkeit baut man Mauern um sich, die kaum einzureißen sind. Egal, in welcher Situation du dich auch befindest – Schwäche ist etwas für Verlierer. Wenn Perfektion einen Namen hätte, dann wäre es deiner.

Diese Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich warne auch davor, nur das Gegenteil davon zu unternehmen, worüber ich geschrieben habe. Oftmals ist Erfolg nämlich eine Mischung aus verschiedensten Strategien. Gerne lese ich von deinen Ansichten zu diesem spannenden Thema.
(Un-)Sympathische Grüße aus der Südsteiermark

2 Kommentare zu „Anleitung zum Unsympathischsein“

  1. Pingback: Sympathie ist Trump(f)

  2. Pingback: Anleitung zum unerfolgreich sein - Michael Jagersbacher

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