Uli_Hoeness_2010

Herz auf der Zunge – Was Toiletten mit Sympathie zu tun haben

In Allgemein by MIchael JagersbacherLeave a Comment

Mit dem Herz auf der Zunge Sympathien in der Hand

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Erfolg-Magazin

Hoeneß der „grade Michl“

Was hat Sympathiegewinnung mit der Wahl einer Toilette gemeinsam? Diese und mehr Fragen werde ich bei der Sympathieanalyse von Uli Hoeneß beantworten.

Hoeneß ist jemand, der sehr gerne zur „verbalen Keule“ greift. Der 65-Jährige war bis 2014 FC Bayern-Präsident und in den 70ern Welt- und Europameister. Es gibt kaum jemanden, der den deutschen Fußball mehr geprägt hat als er. Obgleich er sich rhetorisch nie ein Blatt vor den Mund nimmt, weist er enorme Sympathiewerte auf. Das ist alles andere als selbstverständlich und ist es wert, einer genaueren Nachforschung unterzogen zu werden.

Not everbody´s darling

Zusätzlich wissen wir alle von seinen steuerlichen Verfehlungen, die ihn sogar fast 2 Jahre hinter Gitter gebracht haben. Dennoch genießt er noch immer ein gesellschaftliches Ansehen, wie kaum jemand in Deutschland. Alle diese Dinge widersprechen den klassischen Sympathielehren aufs Gröbste, wie: „Sei hilfsbereit oder stelle deine Bedürfnisse hintan, wenn du Menschen sympathisch werden willst“, oder: „Stelle deine Bedürfnisse nicht über die Bedürfnisse anderer!“.

Auch von Reue, nach dem Absitzen der Gefängnisstrafe ist bei Uli Hoeneß wenig zu sehen, eher das Gegenteil scheint der Fall: „Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen…“.

Best-Of-Uli

Seien wir uns ehrlich, Ulli ist niemand, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Dies scheint in der Sympathiegewinnung auch gar nicht von Nöten zu sein. Es gibt schließlich auch andere Beispiele, wie den aktuell regierenden Präsidenten der USA, der auch wenig darauf gibt, wie er von anderen wahrgenommen wird. Und dennoch haben ihn 60 Millionen Amerikaner und Amerikanerinnen gewählt. Eine beachtliche Zahl für die Aussagen, die er im Vorfeld getätigt hat.

Zurück zu Ulli Hoeneß, der markige Sprüche mit arrogantem Gehabe paart und dem trotzdem die Herzen vieler Menschen zufliegen. Kleines Best-Of gefällig?

  • „Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.“ (über den ehemaligen Bayern-Star Lothar Matthäus).
  • „Dem wurde zuviel Puderzucker in den Hintern geblasen.“ (In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ über Mittelfeldstar Bastian Schweinsteiger).
  • „Der soll hierherkommen und nicht ständig in Kalifornien rumtanzen und uns hier den Scheiß machen lassen.“ (Hoeneß über Jürgen Klinsmann, zum damaligen Zeitpunkt Bundestrainer)

Wer erinnert sich nicht an seine berühmte Wutrede von 2007 bei der Bayern-Jahresversammlung, wo er sogar die eigenen Fans attackierte mit folgenden Worten: „Eure Scheißstimmung. Da seid ihr doch dafür verantwortlich, nicht wir!“. Am Ende erntet er sogar Applaus von den Leuten, die er beschimpft. Verrückte Welt? Mitnichten.

 

Was hat eine Toilette mit Sympathie zu tun?

Es gibt mehrere Studien zu Entscheidungsprozessen. Eine davon wurde von Nicolas Christenfeld von der Universität Kalifornien beschrieben, welche dieses Hoeneß und Trump-Phänomen erklären könnte. Es geht um Toiletten. Sie haben richtig gelesen. Es geht um die wichtigste Sache der Welt: Den Gang aufs stille Örtchen.

Bereits seit 1995 werden die Entscheidungsgewohnheiten von Menschen intensiv untersucht. Darunter eben eine Studie, welche die Wahl von öffentlichen Toilettenkabinen unter die Lupe nimmt. Um herauszufinden, welche Kabine in öffentlichen Toiletten am meisten benutzt wurden, wurden 4 davon 10 Wochen mit derselben Menge an Toilettenpapier ausgestattet. Der Verbrauch zeigte an, welche Kabinen am häufigsten benutzt wurden. Das Ergebnis wies eine hohe Signifikanz zugunsten der mittleren Kabinen auf. 60 Prozent des Papierverbrauches fand in diesen statt. Das legt nahe, dass es vielen Menschen schwerfällt, eine Randposition oder eine Extremmeinung einzunehmen. Im Zweifelsfall wird einfach die Mitte gewählt.

Selbstvertrauen macht sympathisch – aus der Distanz

Was hat dies nun mit Sympathiegewinnung und Ulli Honeß zu tun? Diese Schwelle, eine Meinung nach außen hin zu vertreten, hindert viele von uns, dies auch tatsächlich zu tun. Wenn wir nun Menschen erleben, die ihr Herz auf der Zunge tragen, dann „bewundern“ wir sie dafür – dies würden wir natürlich nie zugeben. Schließlich hätten wir uns das so nicht getraut. Wir sehen solche Phänomene immer wieder (Trump, Hoeneß, etc.).

Dieses implizit mitgelieferte Selbstvertrauen ist auch der Grund dafür, weshalb man solchen Menschen ein Stück weit mehr durchgehen lässt als anderen. Dies gilt meistens jedoch nur in einer Distanzwahrnehmung. Je mehr man dann tatsächlich mit dieser Person auch privat oder beruflich zu tun hat, desto mehr schätzen wir andere Charaktereigenschaften als das Herz auf der Zunge zu tragen. Überlegen Sie selbst: Können Sie mit absoluter Ehrlichkeit umgehen und wie viele Abendessen würden Sie mit einem ehrlichen Uli Hoeneß aushalten?

 

Viel Erfolg beim Anwenden der Sympathie-Prinzipien.

Euer

Michael Jagersbacher

Sympathisch/Praktisch/Gut

 

 

 

 

 

 

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