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Liebe und Selbstverleugnung

In Allgemein by MIchael JagersbacherLeave a Comment

Wieviel Selbstaufgabe verträgt die Liebe?

 

Heute beim Frühstück mit meiner Liebsten hörten wir zufällig den bekannten Song von der Band Revolverheld „Ich lass für dich das Licht an“! Ich kenne dies Lied schon länger, doch nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema Liebe in unserem Buch: „Bedingungslose Liebe – Mythos oder Realität?!“, welches ich mit 45 anderen Autoren verfasst habe, sehe ich es aus einer etwas anderen Perspektive.

Der Blogartikel passt irgendwie sehr schön in die „Post-Weihnachtszeit“, welche schließlich das Fest der – bedingungslosen – Nächstenliebe ist.

Folgende Zeilen im Song schockieren mich nun, obgleich ich ihnen vor nicht allzu langer Zeit vollkommen zugestimmt hätte:

 

„Ich lass für dich das Licht an, obwohl’s mir zu hell ist

Ich schaue mir Bands an, die ich nicht mag

Ich gehe mit dir in die, schlimmsten Schnulzen

Ist mir alles egal, Hauptsache du bist da

Ich würde meine Lieblingsplatten

Sofort für dich verbrennen“.

 

Ich bin nicht wichtig

Klingt so schön romantisch, oder? Was liegt dahinter? Knallhart herunter gebrochen bedeuten die Sätze nichts anderes als vollkommene Selbstaufgabe. Die eigenen Bedürfnisse „MÜSSEN“ zurückgestellt werden, um dem Gegenüber zu signalisieren, dass man Liebe empfindet.

Sich selbst zurück zu nehmen, scheint tief in unser Selbstbild hineingebrannt zu sein. Selbstliebe scheint ein Mythos zu sein, der nicht lebbar ist. Ich gehe sogar noch weiter – sogar Selbstachtung wird geächtet.

Applaus finden vor allem diejenigen, die immer einen Schritt zurück machen und dem anderen den Vortritt lassen. Das ist natürlich kein Problem. Kurzfristig. Langfristig halte ich das „In-das-Zentrum-rücken“ des anderen als äußerst problematisch. Denn, wenn das Gegenüber in meinem Zentrum ist, dann kann ich es nicht mehr sein.

 

Balance und Harmonie

Nun sind meine Gedanken vollkommen und dauernd beim anderen. Ich verliere mich im anderen. Der Partner ist mein gesamter Lebensinhalt. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse müssen fortlaufend unterdrückt werden. Dass etwaige Verletzungen, weil der andere eben dennoch nicht so funktioniert, wie wir uns das gerne wünschen, die unweigerliche Folge sind, scheint außer Frage zu sein. Und ganz still und heimlich erhebt sich die Angst vor dem Verlassenwerden. Was ist dann mit meinem „Zentrum“? Wer besetzt es? Verlustangst. VERLUSTANGST. Ich klammere, in der Hoffnung, das Glück durch den Partner festhalten zu können. Ich klammere, weil Verlust auch qualvolle Veränderung bedeuten würde. Mein Leben wäre, buchstäblich, auf den Kopf gestellt. Stress macht sich breit.

  • Bin ich gut genug für meinen Partner?
  • Was muss ich tun, um die Liebe meines Gegenübers zu verdienen?
  • Hoffentlich bin ich ihm/ihr genauso wichtig.
  • Wie kann ich zeigen, was er/sie mir wert ist?
  • Welche meiner Lieblingsplatten kann ich effektvoll verbrennen, um meine Liebe zu zeigen?

Ich orientiere mich am Anderen, somit weg von mir. Das macht natürlich etwas mit mir. Im wunderbaren Buch von Joe Dispenza: „Werde Übernatürlich“ habe ich eine interessante Passage gefunden, die die Auswirkungen solcher Denkschleifen auf meinen Körper haben:

„Im Überlebensmodus werden diese Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol dauernd durch den Körper gepumpt, und wir bleiben in Alarmbereitschaft, anstatt wieder in Balance zu kommen. Wird dieses Ungleichgewicht über längere Zeit aufrechterhalten (…), steuern wir auf Krankheit zu, denn durch Langzeitstress wird die gesunde Genexpression herunterreguliert“ (S.88).

 

Beziehungsende ist Lebensende

Auch ich habe solch ungesunde Beziehungen erlebt und vor allem auch gelebt. Ich selbst war jeden Tag und jahrelang voll mit einem solchen Stresscocktail, der meiner Gesundheit und meinem Wohlbefinden wahrlich nicht zuträglich war. Weshalb nun nicht einfach die Beziehung beenden?

Auch hier findet sich eine interessante Passage im Buch von Dispenza: „Der Körper wird so auf diesen Ansturm konditioniert, dass er süchtig danach wird und ein starkes Verlangen danach hat“. Das heißt, wir verhalten uns wie Liebesjunkies, die auf den nächsten „Schuss“ warten und dabei ihre eigene Situation immer weiter verschlechtern. Tatsächlich treibt uns oftmals die Angst vor Veränderung. Die Angst davor das „Bekannte“ zu verlieren, obgleich es uns alles andere als guttut. Deshalb verharren wir oftmals in Beziehungen zu Menschen, die eigentlich keine Zukunft haben sollten, weil sie die Vergangenheit einzementieren und dauernd in die Gegenwart holen. So unlogisch sich das anhört, ich weiß, dass es funktioniert und zwar über Jahre, vielleicht sogar ein ganzes Leben lang.

 

Bedingungslose Liebe

Mit Liebe, im eigentlichen Sinne, hat diese Konstellation natürlich nichts gemein. Nur im Außen scheint alles Eitel, Wonne, Sonnenschein zu sein. Facebook, Instagram und Co. unterstützen uns dabei sehr gut, eine Rolle zu spielen. Die Rolle, die wir gerne einnehmen würden, jedoch stets Schritte von ihr wegmachen.

In unserem wunderbaren Buch: „Bedingungslose Liebe – Mythos oder Realität?!?“ haben die 45 AutorInnen sehr schön herausgearbeitet, was für sie Liebe bedeutet und wie sie umgesetzt werden kann. Seien Sie sich sicher, dass kein Einziger aus der Autorenschaft über das Verbrennen der eigenen Lieblingsschallplatten geschrieben hat. Denn das wäre Selbstaufgabe und Verleugnung der eigenen Vorlieben. Wenn wir das eigene Ich, mit all seinen Implikationen verneinen müssen, um Liebe vom anderen zu erhalten, ist es dann eigentlich Liebe? Die Antwort muss „Nein“ sein. Weshalb dies so ist und wie ich selbst nun die Liebe „lebe“, werde ich im nächsten Artikel beleuchten.

Autor: Michael Jagersbacher

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