Weihnachten mal anders

Weihnachtsgefühle
Es duftet nach frischen Keksen, die Familie sitzt beisammen am Esstisch, die Kinder spielen friedlich miteinander und freuen sich auf die Geschenke. Aus dem Radio klingt es – wie soll es anders sein – „Last Christmas“ von Wham!
Draußen schneit es und drinnen flackern die Kerzen auf dem Christbaum. Es ist Heiligabend. Jeder weiß, wie sich das Beisammensein mit seiner Familie anfühlt. Üblicherweise geht es uns in der Weihnachtszeit gut. Weihnachten ist nicht nur ein besinnliches Fest, sondern vor allem ein kommunikatives. Man bespricht, plaudert ungezwungen über den Alltag und überhaupt über Gott und die Welt. Man kommuniziert mit Menschen, die man übers Jahr vielleicht viel zu wenig sieht. Streit und Konflikte sind eher Ausnahmeerscheinungen.
Sozialer Status
Haben Sie sich schon jemals gefragt, weshalb dies eigentlich so ist? Wieso läuft Kommunikation gerade zu der Zeit – obgleich sie alles andere als stressfrei ist – eher konfliktfrei ab?
Eine mögliche Antwort darauf kann man dem sozialen Statusspiel entnehmen. Sobald Menschen in Beziehung zueinander treten, bilden sich Hierarchien heraus. Dies fällt uns nicht immer gleich auf, doch Status und Hierarchien ziehen sich durch unser gesamtes Leben. Jede Sekunde, die wir mit anderen verbringen, spielen wir – unbewusst – ein Statusspiel. Speziell der Bereich der Körpersprache verdient unsere Aufmerksamkeit.
Verhalten wir uns anders während des Festmahls? Weshalb sind wir uns tendenziell sympathischer und kooperativer? Tatsächlich senken wir unseren eigenen Status, sprich, wir verflachen beim Essen unsere sozialen Hierarchien. Wir bauen mit unseren Gesten kommunikative Barrieren ab, sodass Kommunikation relativ ungehindert fließen kann.

Eigenberührungen
Ähnlich wie beim Rauchen, führen wir – sofern man trifft – vermehrt die eigene Hand Richtung Gesicht. Berührungen im eigenen Gesicht, senken den Status und lassen uns weniger bedrohlich wirken. Man baut Nähe und Sympathie auf.
Denken Sie selbst an Ihre Schulzeit zurück. Wenn die Lehrerin Sie als Kind spontan eine Frage stellte, die Sie nicht beantworten konnten, haben Sie sich bestimmt kurz ins Gesicht oder an den Kopf gegriffen (kurzes Kratzen, Nase oder Ohren berühren, etc.). Dies soll uns signalisieren, dass wir nicht „angreifen“ wollen, sondern Mitgefühl vom anderen anstreben. Wir nehmen uns aktiv zurück und senken unseren eigenen Status, in der Hoffnung, dass das Gegenüber „Erbarmen“ mit uns hat.
Alles Mumpitz
Jetzt könnten Sie sagen, dass diese Gesten und Berührungen unmöglich den eigenen Status und somit die eigenen, kommunikativen Barrieren senken.
Überlegen Sie jedoch, was passiert, wenn Ihr Gegenüber Sie im Gesicht berührt. Dies passiert in unserem Kulturkreis eher selten. Entweder steht eine physische Eskalation kurz bevor, oder Sie sind noch ein Kind, welchem man mit einem Taschentuch im Gesicht herumfingert 😉 Wer darf Sie noch im Gesicht berühren? Ich bin mir sicher, dass Ihnen keine 5 Personen einfallen werden. Unser Gesicht bzw. unser Kopfbereich ist eben ein sehr verletzlicher Teil unseres Körpers, den wir nicht jedem zur Verfügung stellen.

Mein Tipp
Die besten Geschäfte macht man schließlich auch nicht im Vorbeigehen, sondern gepflegt bei einem Essen. Der Grund für die Kooperation scheint nun etwas klarer zu sein. Legen Sie den Fokus einmal ganz bewusst auf dieses Phänomen, berühren Sie sich öfters, ganz kurz, im Gesicht oder am Kopf. Ihre Kommunikation wird angenehmer für beide Seiten werden, wenn wenig Dominanz vorhanden ist. Doch Vorsicht! Je langsamer diese Bewegungen sind, desto dominanter wirken sie.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

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