Wahlkampf braucht Sympathie

Ein „sympathischer“ Wahlkampf

Unabhängig von der öffentlichen Meinung, bin ich der absoluten Überzeugung, dass Sympathiegewinnung für PolitikerInnen enorm wichtig ist. Sie sind schließlich von Wählerstimmen abhängig, damit sie regieren und agieren können. Insofern macht es sehr wohl Sinn, für PolitikerInnen sich strategisch mit Sympathiegewinnung auseinander zu setzen. Denn eine Wahlstimme ist Nichts Anderes als unser Ausdruck von Vertrauen. Traue ich dem Kandidaten zu, meine Ansichten nach außen zu tragen und umzusetzen. Baue ich keine Form des Vertrauens auf, werde ich auch nicht für diese Person abstimmen. Dabei geht es natürlich um politische Inhalte, jedoch nicht nur, wie wir sehen werden.

Meine absoluten Topp-Tipps in der Sympathiegewinnung finden sie hier.

Ein Land – Zwei Meinungen

Die Wogen in Österreich gingen in den letzten Wochen und Monaten hoch. Grund dafür war die am 22.05.2016 stattfindende Bundespräsidentenwahl. Es traten an: Norbert Hofer (FPÖ) und Alexander Van der Bellen (unparteilich/Grüne). Bekanntlich ging Prof. Dr. Van der Bellen knapp als Sieger hervor. Dennoch gab es eine beinahe 50%ige Verteilung der Stimmen und lediglich 30.000 Stimmen betrug das Plus des neuen Bundespräsidenten. Der Wahlkampf spaltete und spaltet noch immer das Land in zwei Lager.

Interessant dabei ist die kommunikative Positionierung beider Herren. Welche Strategien benutzten Sie, um die Sympathien auf ihre Seite zu bekommen? Ich möchte betonen, dass es mir hierbei keinesfalls um die jeweilige politische Einstellung der Herren geht – vielmehr geht es mir um die Art und Weise, wie sie versuchten, abseits von Thematiken, an die Wählerstimmen zu gelangen.

Ich beschäftige mich in diesem Artikel besonders mit der kommunikativen Strategie von Norbert Hofer, von welchem bekannt ist, dass er selbst NLP-Seminare und dergleichen besuchte. Mal sehen, wie sich diese Seminare auf sein Kommunikationsverhalten auswirken.

 

Kontext und Sympathie

Wichtig ist, Sympathie nicht isoliert zu betrachten. In jedem Kommunikationsakt geht es vor allem um das „Setting“. Was ist damit gemeint? Wenn Sie zu einem Coach gehen, weil Sie Unterstützung in irgendwelchen Dingen benötigen, dann wird er oder sie Ihnen den Aufenthalt so angenehm als möglich gestalten – vielleicht gibt es eine Tasse Tee oder Kaffee. Vielleicht wird Ihnen das Sitzen auf einer Couch angeboten, etc. Sie sollen sich rundum wohlfühlen, am Besten, wie zu Hause. Das meine ich mit „Setting“.

Es gibt allerdings auch noch eine andere Form von „Setting“, nämlich das Kommunikationssetting. Dieses wird durch eine Vielzahl an Faktoren beeinflusst, sodass Kommunikation NIE bei Null beginnt, sondern immer bereits vor-beeinflusst ist. Insofern geht es darum, die Beziehungsebene sooft wie möglich positiv zu beeinflussen. Das fängt bei den Wahlkampfplakaten an und endet beim persönlichen Händeschütteln mit dem Präsidentschaftskandidaten.

Nachteil wird zum Vorteil

Noch im Jänner 2016 war man relativ unglücklich mit der Kandidatur von Norbert Hofer. Zu wenig Ausstrahlung, zu wenig Polarisierungs- und Positionierungschancen wurde ihm vorgeworfen. Doch genau diese vermeintlichen Schwächen wusste er für sich zu nutzen. Der berühmte Medienphilosoph Marshal McLuhan kreierte einen wichtigen Satz: „Das Medium ist die Botschaft„.

Die Art und Weise der Vermittlung von Botschaften ist sehr entscheidend, wie man Dinge aufnimmt, verarbeitet und bewertet. Norbert Hofer gelang es im gesamten Wahlkampf ruhig und besonnen zu agieren, auch, wenn er des Öfteren angegriffen wurde, quittierte er diese eher mit einem Lächeln als mit lautem Geschrei. Im Gegenteil, er schaffte es sehr gut, seine Gegner des Öfteren in die kommunikative Bredouille zu bringen. Er wirkte – unabhängig von den Inhalten – immer sehr souverän und selbstsicher. Die offene Körpersprache wirkte dabei – paradoxerweise – wie ein Schutzschild. Hofer zeigte viel von seiner Frontansicht, weil er vermitteln wollte, dass er nichts zu verbergen hatte. Auch seine Bewegungen sind relativ dynamischer Natur. Zugute kam ihm natürlich auch der Altersunterschied.

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Auch stimmlich wusste Herr Hofer zu überzeugen. Mit stets ruhigem Ton vermittelte er seine Botschaften. Und auch seine Angriffe auf Dr. Van der Bellen vollführte er mit ruhiger Stimmlage. Laut wurde er selten bis nie. Das schafft Vertrauen in die Führungskompetenzen eines möglichen Bundespräsidenten. Man nahm es ihm auch nicht übel, wenn er nicht direkt auf Angriffe seines Gegenübers reagierte, sondern das Gespräch geschickt „verschleppte“. Auch eine Kunst.

Im Video gibt es eine Kurzzusammenfassung des TV-Duells von Dr. Van der Bellen und Hofer. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild über die Sympathie-Performance.

https://www.youtube.com/watch?v=KQHLsc_SXRU

Situative Sympathie

Ähnlich, wie ich bereits bei meinem Blogartikel über Donald Trump dargelegt habe, profitiert Norbert Hofer sehr von der Unzufriedenheit vieler Menschen mit dem herrschenden politischen System.

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Wie auf den Wahlplakaten gezeigt, zelebriert sich Hofer als Mann der Mitte, als Mann aus dem Volk. Als einer, der uns ÖsterreicherInnen versteht. Trump macht dies ähnlich und macht die herrschenden PolitikerInnen als Feindbild fest. In Zeiten der Unzufriedenheit funktioniert diese Taktik sehr gut. Sie funktioniert jedoch nur, wenn man keinen starken Konkurrenten hat. Auch dies ist das kommunikative „Setting“, von welchem ich Eingangs geschrieben habe – der Ausgangskontext ist entscheidend. Norbert Hofer wurde vor allem als Ermöglicher des Wandels weg von der Unzufriedenheit inszeniert und von 50% der WählerInnen auch wahrgenommen.

Fazit

Nicht immer der, der am lautesten „schreit“, muss sich durchsetzen. Auch mit einer sanfteren Art und Weise kann man erstaunliche kommunikative Erfolge einfahren. Wenn man es schafft, sich so zu positionieren, dass man dem Gegenüber ebenbürtig erscheint, dann ist schon viel gewonnen.

Norbert Hofer gelang es sehr gut, sich als Mann aus dem Volk zu positionieren. Eine ganz andere Ausrichtung als Van der Bellen. Dennoch mit einem guten Ausgang für Dr. Van der Bellen.

 

 

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